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baumeliges Fenster, 1965 baumeliges Fenster, 1965

Gerhard Hoehme Biografie, Seite 3/5

1960 Mit einer Ausstellung von Cy Twombly und Robert Rauschenberg schließt Jean-Pierre Wilhelm die Galerie 22. Hoehme wird Stipendiat in der Villa Massimo in Rom. Während seines einjährigen Aufenthaltes freundet er sich u.a. mit dem Maler Piero Dorazio und dem Schriftsteller Paul Nizon an, der in seinem literarischen Werk "canto" (1963) die Situation der Künstler und Intellektuellen in Rom im Jahr 1960 streift. Hoehme begegnet dem Kunsthistoriker Giulio Carlo Argan und lernt die Galeristen Bruno und Fabio Sargentini kennen. In Düsseldorf erfolgt im gleichen Jahr die Berufung an die Kunstakademie auf einen Lehrstuhl für freie Malerei. Die Buchstaben- und Chiffrenreihen verdichten sich zu Sprachbildern, die in den großformatigen "Briefbildern" ihren Höhepunkt erreichen.

1961 Die Familie lebt von nun an zeitweilig in Rom.

1962 Hoehme wird in Italien der 2. Marzotto-Preis für europäische Malerei verliehen.

1963 Von den skripturalen Spuren gelangt Hoehme zu malerischen Lineamenten.

1964 Der Ort Nemi in den Albaner Bergen oberhalb des Nemi-Sees wird zum zweiten Wohnsitz für die Familie. Sie lernen die in der Nachbarschaft lebende Schriftstellerin Marie Luise Rinser kennen und freunden sich mit dem Schriftsteller Gustav Rene Hocke und dem Soziologen Rene König an, die ebenfalls zeitweilig in Latium leben. Die Werkreihe der "Fensterbilder" beginnt. Einige dieser Werke versteht der Künstler als "politische Fenster". Im gleichen Jahr entdeckt er Schnittmusterbogen als bereits vorstrukturiertes Material. Zumeist als Folie verwendet, überarbeitet Hoehme die Bogen mit Farbe, Schnüren und legt sie vertieft in Objektkästen ein. Neben den Schnittmusterbogen werden auch Messblätter, Stadtpläne, Landkarten u.a. verarbeitet. Bereits seit Ende der fünfziger Jahre integriert Hoehme außermalerische Elemente in seine Bilder. Mit dem Jahr 1964 geht er endgültig über informelle Bildvorstellungen hinaus. Der Dialog zwischen autonomer Malerei und Fragmenten aus dem Alltag bzw. semantischen Hinweisen bestimmt nun den Charakter der Werke.

1965 Der Künstler erhält den Auftrag, in der Kirche der Missionari Verbiti in Nemi die Glasfenster zu gestalten.

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